Zähne zusammenbeißen

Das Phänomen „Zähne zusammenbeißen“ scheint dieses Jahr so weit verbreitet wie nie. Besonders in diesen Tagen fällt es mir bei vielen Menschen auf. Natürlich beißt jeder unbewusst die Zähne zusammen. Spreche ich denjenigen darauf an, bemerken die meisten es. „Zähne zusammen und durch“ sagen wir uns selbst, damit wir eine schwierige Phase oder eine Herausforderung schaffen.

Wir sagen uns „Zähne zusammenbeißen“ bei einer sportlichen Herausforderung, die wir uns selbst gesetzt haben, um das gesteckte Ziel zu erreichen.

Doch ebenso im beruflichen, wie im privaten Leben beißen wir öfters mal die Zähne zusammen, um durch eine harte Zeit zu kommen.

Stress fordert Zähne zusammenbeißen

Dieses Jahr hat uns alle vor neue Herausforderungen gestellt und nicht gerade geringe. Daher ist es für mich ganz logisch, dass nun gegen Jahresende, dunklere Jahreszeit, kein Ende der Ausnahmesituation, erneuter Lockdown in Deutschland, wir alle sensibler reagieren und noch mehr die Zähne zusammenbeißen.

zubeißen

Befinden wir uns länger in einer herausfordernden, anstrengenden Zeit, zerrt es an uns, an unserem Körper, Organen, Muskeln. Natürlich wirkt es auch mental und emotional auf uns, wir fühlen uns gestresst, fahren schneller aus der Haut. Das verstärkt nochmal Verspannungen besonders in Nacken und Schulter plagen uns.

Kaumuskeln haben immensen Impact auf uns

Aber die harte Zeit ist noch nicht vorbei! Also weiter „Zähne zusammen und durch!“ wird die Durchhalteparole. Genau das tun wir dann körperlich. Wir versetzten uns in Anspannung, denn so sind wir wacher, können mehr leisten.

Unsere Kaumuskeln sind die stärksten Muskeln unseres Körpers. Unser Kopf wird durch die Muskelspannung aus der optimalen Haltungsachse genommen. Besonders gut ist das immer zu beobachten, wenn du vor dem Bildschirm sitzt. Als muskuläre Gegenspieler werden jetzt die kleinen Nackenmuskeln aktiv. Dafür sind sie aber nicht gemacht und so kommt es zu lästigen Nackenverspannungen.

Es wirkt auf unseren ganzen Körper

Zudem schwächt anhaltender Stress zusätzlich unser Immunsystem, kann zu Magen- und Darmproblemen, Lebensmittelunverträglichkeiten sowie zu Blutdruck- und Stoffwechselbeinträchtigungen führen.

Bereits seit einigen Wochen bemerke ich bei vielen meiner Trainierenden richtig feste, zusammengepresste Kiefer. Mit gespannten Kaumuskeln können wir keine Nackenmuskeln lockern, Beweglichkeit im ganzen Körper wird eingeschränkt, wie z.B. beeinflusst es die Beweglichkeit der gesamten Wirbelsäule und der Hüftgelenke.

Bruxismus

Zu diesen Beschwerden kann auch das nächtliche Zähneknirschen führen. Bruxismus stellt in der Regel der Zahnarzt fest und verschreibt eine Beißschiene. Diese Beißschiene schützt nur die Zähne vor Abrieb. Bisher habe ich leider nur in wenigen Fällen erleben dürfen, das eine begleitende Therapie zur Muskellockerung oder Entspannung verschrieben wurde. Hier vergibt der Mensch wunderbare Chancen zur Selbsthilfe. Denn schon mit ein paar Übungen kannst du schnell die verspannten Muskeln lösen und knirschst so weniger mit den Zähnen.

Dadurch sind in diesem Jahr und besonders in letzter Zeit die Lockerungsübungen in meinen Trainings wesentlich mehr geworden, vor allem auch für die Kaumuskeln. Mit Verspannungen oder einzelnen überaktiven Muskeln zu trainieren, macht wenig Sinn. Denn so erreichen wir keine korrekten Bewegungen. Im Gegenteil Fehlbewegungen, Verspannungen werden weiter intensiviert. So gelingt es dir beispielsweise auch nicht, ein effektives Bauchtraining mit Nackenverspannungen zu absolvieren. Dein Körper fokussiert sich auf die Sauerstoffversorgung deines Gehirns.

Kieferkreise und Entspannung

Erste Abhilfe, um aus dem „Zähne zusammen und durch!“ rauszukommen, bieten die wunderbaren Kieferkreise für eine sofortige Lockerung dieser Muskeln und Entlastung der Nackenmuskeln. Eine richtige Atmung sichert unsere Sauerstoffversorung und aktiviert gleichzeitig den Vagusnerv, dadurch entspannen wir besser. Eine weitere Übung für die Aktivierung des Vagusnervs und einen entspannteren Nacken findest du hier. Entspannungstechniken wie die Progressive Muskelentspannung senken den gesamten körperlichen Spannungslevel und wirken so längerfristig auf die Kaumuskulatur.  

Das eigene Denken ändern und so Situationen entrissen

Langfristig gilt immer die stressige Situation zu entschärfen. Manchmal wie leider in der jetzigen Situation haben wir das aber nur sehr bedingt selbst in der Hand. Kann ich die Situation allerdings nicht ändern, kann ich ändern wie ich darüber denke und damit umgehe. Mir persönlich hilft hier Meditation und meine Energiearbeit, die ich auch mit anderen Menschen mache.

Die Lockerung der Kaumuskulatur ist aber ein erster Schritt zur Entspannung. Nutze sie, entlaste die Muskulatur und den Nacken, genieß das neue Gefühl.

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