Schlafprobleme Kissen

Die Zeit fragt nach meinem Schlaf.

Das finde ich nett und aufmerksam und tatsächlich hatte ich Schlafprobleme vor einiger Zeit.

Die Zeit fragt nach meinem Schlaf

Zu Beginn des Lockdowns war es ein positiver Effekt weniger Schlaf zu brauchen. So konnte ich mehr erledigen, was in diesem herausfordernden Moment notwendig war.

Zoom-Meetings und Online-Netzwerkveranstaltungen am Abend verhinderten ein entspanntes zur Ruhe kommen, sowie einen erholsamen Schlaf. Morgens von alleine wieder früh wach, um die wartenden Herausforderungen und Möglichkeiten anzunehmen, fühlte sich sehr gut an.

Natürlich war es eine aufregende Zeit. Leider saß ich mehr im Büro als mir selbst lieb war, trainierte für mich selbst weniger und vernachlässigte meine Zeit für mich, wie mein Wandern. Treffen mit Freunden fielen für uns alle aus, die enorm zu unserem Wohlgefühl beitragen.

Dass solche Belastungen nicht lange gut gehen ist allgemein bekannt. Zumindest theoretisch. Als Selbständige habe ich meine Arbeit selbst ausgesucht und ich liebe sie. Es ist meine Berufung, die ich leben darf und wofür ich sehr dankbar bin. Trotzdem kann es ein Zuviel geben. Zudem belasteten mich wie viele, besonders Selbständige, Existenzängste.

Als Ergebnis stellte sich das genaue Gegenteil einer idealen Work-Life-Balance ein.

Welche Symptome und gesundheitlichen Probleme sich einstellen, weiß ich nur zu genau aus meiner Ausbildung. Schließlich unterrichte ich in meinen Trainings körperliche Signale wahrzunehmen, sowie ganzheitliche Methoden, um wieder in Gesundheit und Wohlfühlen zurück zu kehren.

Beschwerden sind Hilferufe unseres Körpers und unserer Psyche, die wir nicht übergehen sollten. Feinfühlig war ich schon immer, bin es durch meinen Beruf wohl noch mehr geworden und über die Folgen weiß ich aufgrund meiner Ausbildung bestens Bescheid.

Deshalb akzeptierte ich am Morgen eines Feiertags nicht wandern gehen zu können, mein Körper zeigte mir, dass die Luft raus war. Bei schönstem Wetter lag ich auf meinem Balkon und der weiteste Weg führte mich bis in den Keller. Für den Rückweg wählte ich dann schon den Aufzug bis in den ersten Stock.

An diesem Tag verordnete ich mir mehr von dem was mit guttut: In die Natur gehen, tagsüber Pausen machen, ein Ende meiner täglichen Arbeitszeit festlegen und vor allem weniger Online-Meetings. Daneben wollte ich meinen Kaffeekonsum reduzieren und gesünder essen. Schön, dass Kochen ein Hobby für mich ist. Genau solche Tätigkeiten musste ich wieder mehr in mein Leben holen.

Logisch, dass Bewegung und Trainieren auch auf meine Liste kam. Bedingung hier, nur Training mit Spaß. Meditation schrieb ich auch auf mein selbstverschriebenes Rezept. Gerade von Meditation profitieren wir besonders bei täglicher Routine.

In jeder Unterrichtsstunde freue ich mich über jeden Klienten, der eine neue Bewegung plötzlich schafft, größere Beweglichkeit gewinnt oder weniger Beschwerden verspürt. Jede bewegte Pause, die ich über Zoom unterrichte, bringt den Teilnehmern Entspannung, ein Lächeln auf’s Gesicht und wir freuen uns alle auf „das Highlight des Tages“, wie eine Teilnehmerin es mal nannte.

Trotz all dem Spaß und der Freude, es ist meine Arbeit, die plötzlich zu viel Raum in meinem Leben eingenommen hatte und jetzt hatte mein Körper die Reißleine gezogen. Es war Zeit für eine neue Struktur.

Mein Start in den Tag klappt mit dieser Struktur meistens perfekt. Für mich lag die Herausforderung in Pausen, einen Moment für mich zum Durchatmen zu integrieren. Genau das was ich u.a. mit der bewegten Pause allen Teilnehmern bieten möchte. Für mich sind diese 20 Minuten auch schön, trotzdem ist es meine Arbeit. Entspannung für mich musste ich danach sichern. Deshalb versuchte ich möglichst bald mich vom Rechner zu lösen, noch vor dem Essen eine kleine Entspannung einzubauen. Manchmal verzichte ich auf die Vorherpause und gönne mir eine größere mit meiner Waldzeit. 

Abends greife ich statt dem Rotwein zum Ruhe-Tee und statt Online-Meetings bleibe ich offline.

Keine Nachrichten mehr am späten Abend, kein Fernsehen, besonders keine Krimis. Besonders Krimis sind für unser Seelenleben erwiesenermaßen sehr schlecht. Unsere Psyche kann nicht unterscheiden, ob wir die schrecklichen, angstvollen Momente nur auf dem Bildschirm betrachten oder selbst erleben.

Tee für die Ruhe

Runterfahren: Technisch den Computer am Ende des Arbeitstages, meine eigene Taktfrequenz und damit Körper und Geist um Schlafen zu können. Das was unsere Organe mit dem Biorhythmus vorgeben, verstehen, akzeptieren und leben. Schließlich benötigen wir Auszeiten genauso wie Schlaf um aktiv sein zu können.

Jetzt sind schon ein paar Monate vergangen und ich achte auf ein Ende meines Arbeitstages, erlaube mir meine Pausen. Mein Kaffeekonsum ist mit 2 Tassen Kaffee und einem Espresso pro Tag medizinisch in einem optimalen Maße. Das wichtigste ich gehe wieder regelmäßig wandern und fast jeden Arbeitstag hier in den Wald.

Das Rausgehen in die Natur ist für mich die intensivste Auszeit. Hier fällt es mir leicht, Dinge sein zu lassen, im Büro zu lassen und mich stattdessen auf den Wald und mich selbst zu konzentriere. Spüre ich mehr Unruhe, integriere ich mein Atemtraining, eine Schulterübung am Baum oder schaue auf der Bank liegend in den Blätterhimmel.

Genießen! Sich selbst erlauben zu sein.

So ist dann auch die Idee zum Waldbaden entstanden.

Denn es ist ganz einfach, ein paar Schuhe zum Spazierengehen hat jeder. Einfach raus.

Meine angestrebten Strukturen, andere nennen es Routinen, haben sich bewährt. Mein Schlaf hat sich auch deutlich verbessert. Ich bin mir sicher, „Die Zeit“ hat ihre Umfrage nicht nur für mich gemacht, aber trotzdem vielen Dank liebe „Die Zeit“.