Hexenschuss bei einer Frau

Bereits 20 Minuten reichten, um meine Kundin von ihrem Hexenschuss zu befreien, so dass sie sich wieder schmerzfrei bewegen konnte. Mit einer kleinen „Wunder-Übungen“ habe ich ihr einen ersten Anfang gezeigt, um nachhaltig in einen gesunden Rücken zu investieren und so Schmerzen zu vermeiden. Wie Sie diesen wirksamen Weg weitergeht, liegt an ihr selbst.

Lumbalgie kommt immer plötzlich!

Gestern Abend traf ich meine Nachbarin im Keller. Unser Mehrfamilienhaus hat sechs Wohneinheiten und wir haben glücklicherweise eine gute Gemeinschaft. In Keller und Garage begegnen wir uns nicht nur, sondern aus dem Hallo, dem einfachem „wie geht’s“ wird schnell mehr. Mal geht es um die leidige Aufgabe, den Keller endlich auf zu räumen, eine Lampe, die nicht funktioniert oder Kinder, Urlaube. Wird einer beim Kelleraufräumen gesehen, wird er kräftig gelobt und natürlich direkt für den eignen Keller mit beauftragt. Natürlich ist in diesem Jahr auch in unserem Hause Corona ein Thema.

Nacken und Schultern verspannt?

Aber gestern Abend ging es weder um Keller noch um Masken oder „physical Distance“. Meine Nachbarin Andrea klagte über ihre Gesundheit, ein Hexenschuss hatte sie vor über einer Woche erwischt. Sie könne sich gar nicht schmerzfrei bewegen und das mit drei Kindern.

Nachbarschaftshilfe

Seit dem ersten Lockdown ist sie im Grunde im Homeoffice und natürlich ist der Stuhl, der Schreibtisch nicht wirklich geeignet. Damals, im März, April waren wir doch alle davon ausgegangen, dass Homeoffice nur Übergang sein wird und es bald wieder zurück ins Büro geht. Nun ist aus dem Übergang doch ein halbes Jahr geworden, ein neuer, richtiger Bürostuhl kommt morgen.

Homeoffice war ein Behelf

So hat Andrea wie bestimmt viele andere auch, das letzte halbe Jahr hat sie auf diesem Stuhl, der nur eine Notlösung für den Übergang gedacht war, gesessen. Also, kein Wunder, dass da eine Lumbalgie akut auftritt.

Diese schmerzliche Erfahrung haben dieses Jahr besonders viele Menschen gemacht. Bereits zu Beginn des ersten Lockdowns wiesen Fachleute darauf hin, dass das Arbeiten an Laptop, am Esstisch keine ergonomisch optimalen Lösungen sind. Ergonomische Stühle, ein richtiger Schreibtisch sind notwendig für einen Arbeitstag. Dazu gehört auch statt Laptop mit Bildschirm und externer Tastatur zu arbeiten. Das was unterwegs oder mal für einen Tag funktioniert, kann für unseren Körper auf Dauer zu einer echten Belastung werden.

Arbeiten am Esstisch

Ich habe Andrea gefragt, ob es denn nicht vor dem Hexenschuss mal hier oder da gezwickt hat, im Rücken geschmerzt habe. Doch, aber es ging wieder weg und es war gerade, wie immer eigentlich so viel los. Klar gab es Warnungen vorher und zufällig hätte sie übermorgen einen Termin beim Osteopathen – den hatte sie jedoch für ihre Schulter vereinbart.

Wer kennt es nicht, dass es mal spannt, kurz weh tut und wir denken, ach, da muss ich mal was machen. Dann ist es weg, wir vergessen es. Auch hier ist Andrea wie viele andere Menschen und ihr Körper reagiert sehr logisch. Schulter und Rücken sind nicht weit voneinander entfernt, unser Körper ist eine Einheit und das nicht nur bei der Verteilung von Nährstoffen in unserem Körper, sondern auch bei der Weiterverarbeitung von Fehlhaltungen und Schmerzen.

Frühes Wahrnehmen und Stress

Durchaus denkbar, dass in ihrem Fall, der Schmerz vom unteren Rücken, u.a. aufgrund von Stress wie auch durch falsches sitzen auf dem nichtadäquaten Stuhl, einfach weitergewandert ist. Die Fehlhaltung hört, wenn wir uns so einen Menschen vornübergebeugt sitzend ansehen, nicht im unteren Rücken, im Lendenwirbelbereich auf. Zudem wurde der Schmerz hier, im klassischen Lumbalgie-Areal, nicht beachtet.

Als ich ihr erklärte, dass Stress sich eindeutig im unteren Rücken niederschlägt, war ihr alles sofort klar. Sie hatte seit langem nichts mehr für sich gemacht, Pausen und Sport für sich selbst kamen zu kurz. Die Kinder standen im Fokus in dieser verrückten Zeit, das Familienleben ebenso wie ihr Beruf nahmen viel Zeit in Anspruch. Das zu erkennen ist der Anfang, doch es zu ändern ist notwendig, damit es uns gut geht.

Mensch hab‘ ich zu meiner Nachbarin gesagt, komm einfach zu mir, du brauchst nur ein Stockwerk höher kommen. Es gibt Übungen, die helfen dir, auch wenn du dich jetzt kaum bewegen kannst. Mini-Bewegungen, die dir helfen die angespannten Muskeln zu lösen und wieder beschwerdefrei beweglich zu sein.

Ein Anfang auf dem Weg schmerzfrei zu werden

Ich habe mich sehr gefreut, dass Andrea mein Angebot direkt am nächsten Tag angenommen hat. In kurzer Zeit habe ich sie in diesen kleinen Übungen angeleitet, die viele meiner Kunden als „Wunder-Übungen“ bezeichnen. Dabei geht es darum, jeden Moment die Bewegung zu spüren, jeden Moment den eigenen Körper wahrzunehmen. Das was wir lange nicht getan haben, jetzt in einer gewissen Art nachzuholen und Bewegung wieder neu zu lernen. Daher ist es auch besser, die Übungen als Trainer nicht vorzumachen, sondern sie verbal anzuleiten. So ist die Konzentration auf sich selbst höher und jeder Menschen kann die Bewegungen selbst finden. Ich als Trainerin, helfe beim Finden und erkläre was im Körper passiert. Mit dieser Art Training helfe ich die verlorene Selbstwahrnehmung wiederzufinden. Das ist ein großer und sehr wichtiger Teil meines Trainings. Denn meine Nachbarin ist nicht die einzige, die wenig oder keine Zeit hatte für sich selbst.

Andrea konnte nach gut 20 Minuten mit wesentlich weniger Schmerzen wieder runterlaufen. Ich habe ihr einen Anfang gezeigt und jetzt liegt es wie immer an jedem selbst, was sie und er draus macht.

Übrigens eine Variante der „Wunder-Übung“ findest du in meinem Trainingsvideo: Die Beckenkreise – viel Spass dabei!

Liebe dich selbst